Gedanken zu meinen Bildern

Was bedeutet Before Breakfast?

Before Breakfast ist ein ungewöhnlicher Titel für eine Bilderausstellung und dennoch ist dieser tägliche Moment in diesem Falle sehr treffend. Es ist der geistige Janus. Er verbindet das Träumerische, Traumfetzen und Albtraumfragmente, die Realität des grellen Lichtes eines neuen Tages, dem man sich vielleicht nicht, oder noch nicht, gewachsen fühlt. Die eine Fratze des Janus ist auf das Gestern gerichtet, das in Träumen verarbeitete Vergangene - noch da, verkatert, und noch nicht weggespült vom Aufmerksamkeit-fordernden ersten Kaffee des Tages. Der geistige wie der körperliche Tonus muss noch anlaufen.

Als Janus beinhaltet dieser Begriff aber auch ein feines Gesicht, ein Jungfräuliches, ein Unverbrauchtes. Eine unbändige Anzahl von Emotionen werden neu gebündelt in einer Strahlkraft von Optimismus, Neuem, Neuanfang und Neugier, dem Gegenwärtigen. Ein Beginnen, eine neue Chance an diesem anbrechenden Tag etwas zu erreichen, anzustreben oder abzuschliessen, den Aufbruch ins täglich Ungewisse – mit allen Risiken. Freude, Zuversicht, Angst, Sehnsucht und Hoffnung - alle Gefühle und Emotionen in schillernder Klarheit - irgendwo im Bewusstsein abgespeichert, werden sie langsam zugänglich, ja, dominant.

Before Breakfast ist der Schmelzpunkt dieser beiden Gesichter. An ihm gehen sie nahtlos ineinander über - Emotionsüberlappungen, und es ist der Moment, der als Höhe- und der Scheidepunkt dieser verschiedenen Emotionen herausragt. Die Bilder dieser Ausstellung sollen genau diesen Reichtum an Emotionen widerspiegeln und doch Raum für Interpretation des Betrachters lassen - ob es die Fratze von gestern oder das feine Gesicht von heute ist. Den neuen Tag, den neuen Anfang und den Lebensoptimismus sollen sie inspirieren.

Wieso Meilensteine?

Meilensteine können chronologisch oder räumlich sein. Sie dokumentieren Veränderung, Fortschritt, innere Entwicklung, Abstand, aber auch das veränderte Umfeld und Abschied. Sie sind Zeichen des Erreichens, des Weiterkommens, des Progresses und laden ein anzuhalten und zurückzuschauen, oft auf der Mitte des Weges zum grösseren Ziel. Meilensteine sind Resultat der Aktion des einzelnen Menschen, sie sind Zeichen persönlicher Initiative und ein Beweis des individuellen Erfolges.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit den oben genannten Aspekten. Die Bilder des Holstentores oder des Brandenburger Tores stellen Meilensteine dar – man ist angekommen und schaut zurück auf den zurückgelegten Weg bevor man sich der Stadt zuwendet. Die Inschrift über dem Holstentor besagt: „Eintracht zu Hause, Frieden draussen“ (Concordia Domi Foris Pax) – ein würdiges Weltmotto.

Meilensteine sind aber auch erreichte Ziele der Zivilisation. Das Bild des Frankfurter Römer zeigt im Vordergrund die Feierstätte der deutschen Kaiser, den Römer, daneben, die Paulskirche als Symbol der Demokratie und dahinter die moderne Frankfurter Hochhauswelt der globalisierten Wirtschaft. Auch technische oder architektonische Zeugnisse der Genialität vergangener Generationen, die am kulturellen Gesamtwerk der Menschheit gearbeitet haben, sind Meilensteine, wie zum Beispiel der Kölner Dom, die Schwebebahn oder die gewaltige Nürnberger Burg.

Meilensteine, das Weitermachen, die Aktivität, spenden aber auch die Motivation weiterzumachen. Der Shadow-Climber will nach oben. Er gibt sich nicht mit der Felsspalte, die er erreicht hat, zufrieden. Der Weg im Erzgebirge geht mysteriös weiter nach oben, das Matterhorn steht als Herausforderung hinter einem warnenden Kreuz.

Meilensteine laden aber auch zur Rast ein. Rast bedeutet das Reflektieren des Vergangenen und da Meilensteine ein individueller Erfolg sind, ist es oft die persönliche Stille, wie zum Beispiel bei dem Bild des Regenfrosches, in dem der Betrachter in einem polychromen Ölregen einen Frosch auf einem Blatt in einem Waldsee vom lehmigen Ufer aus betrachtet. Königliche – gesuchte - Einsamkeit und Entrückung in einem zu Stein gewordenen Traum ist der Zauberregen von Neuschwanstein während der Schwarzwald und der Königssee rustikale Ruhe, Demut und Gottesschutz vermitteln.

Meilensteine sind Steine, die das vom Mensch geschaffene dokumentieren, auch die Zerstörung der Materie und des Geistes. Das Bild der Gedächtniskirche – in versöhnlichem Rot – und das Bild des Holocaust Memorials in Berlin sind eindrucksvolle, ja ergreifende Beispiele. Das Bild der neuerrichteten Frauenkirche in Dresden ist Zeugnis des Wiederaufbaus nach der Zerstörung, die Narben sind noch überall drum herum aber die Kirche ist erstanden. Aktivität des Einzelnen ist nicht immer nur Erfolg sondern auch Stolpern, Zerstören, Verletzen. Man fängt bei Null an – und geht zum nächsten Meilenstein.

Und warum gibt es dann das Bild ‚Churchill’, mit einem sich spiegelnden Matterhorn und lauter kleinen Kölner Domen? Ich weiss nicht, das ist künstlerische Freiheit, vielleicht weil beides monumentale Steinmassen sind.

Aus der Beschreibung zur Ausstellung METROPOLIghtS:

Die abstrakten und semiabstrakten Bilder sind für moderne Grossstadtapartments wie geschaffen. Meist quadratisch und aussagestark, lassen sie sich durch ihre farbliche Intensität hervorragend in moderne, helle und grosszügige Räume integrieren. Der Maler fasst es so zusammen: „Dies ist gleichsam die andere Seite des Spektrums. Auf der einen Seite das grosse Städteportrait als Gesamteindruck – auf der anderen Seite der Fokus auf einen Raum in einer solchen Stadt. Ein Raum in einer Stadt ist wie ein Atom, der kleinste einheitliche Baustein, der aber zusammen mit allen anderen ’Atomen’ das Gesamtbild zum Schillern bringt“.
Die Bilder sind in Öl gefangene Dynamik und Farbintensität – und das ist die einzige offensichtliche Gemeinsamkeit. Der Maler hat bewusst versucht, jedes Stadtportrait durch einen eigenen Stil zu betonen. So kommt in dem Bild London der Eindruck verregneter Strassen ebenso zum Ausdruck wie in dem Moskau Portrait das mystisch-geheimnisvolle Blau oder die schwüle, von exotischen Düften durchdrungene Atmosphäre von Hong Kong. In allen Bildern wurde reichlich mit Farbe, Leinsamenöl und Dammarlack gearbeitet, und neben Pinseln und Spachteln wurde auch das ‚Farbschleudern’ bewusst eingesetzt, denn schon der Malstil soll die Vielfalt der Metropolen reflektieren.

Eigene Eindrücke von den Bildern erhalten Sie selbst, z. B. hier.

www.ml-paintings.com